ressourcen und visionen
Weil bislang kein Käufer für die Immobilie gefunden wurde, hatte die Stadt ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet nicht nur Gebote, sondern auch Konzepte sollte vorlegen, wer das Schauspielhaus kaufen wollte (TLZ berichtete). Mehrere taten es, alle aus Erfurt, zwei kamen in die engere Wahl aber keiner kriegts. Denn mit der Beschlussvorlage für den Stadtrat will die Verwaltung das Interessenbekundungsverfahren beenden, zum Missfallen der CDU-Fraktion im Stadtrat. „Wir haben einen Meistbietenden, der auch das beste Konzept hatte, vor Ort ist und seine Kompetenz mehrfach in Erfurt bewiesen hat und beweist“, sagt Ratsherr Jörg Kallenbach. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtentwicklung, Bau und Verkehr hat er einen Ortstermin anberaumt, bei dem sich der Ausschuss informieren soll; Tobias Schallert wird auch dabei sein.
Er ist Geschäftsführer des Meistbietenden, der Tempus Immobilien und Projekt GmbH, und teilt Kallenbachs Einschätzung, dass Verzögerung von Nachteil wäre: „Wenn die Stadt bis zur Entscheidung noch zwei bis drei Jahre braucht, müssen wir uns möglicherweise von dem Projekt trennen weil nicht mehr viel da ist.“ Original erhalten wolle Tempus das Schauspielhaus samt „Inhalt“; Diebstahl und Vandalismus könnten die Substanz dafür rauben.
Kaufen und dauerhaft betreiben sei das Ziel: Schallert will Unternehmen aus dem Kulturbereich Büroräume zur dauerhaften Miete bieten; die zwei Bühnen könnten je nach Bedarf für Veranstaltungen oder Projekte zusätzlich gemietet werden. Einen Mix möchte er etablieren, wie er sich im Weinreiter-Haus in der Neuwerkstraße gefunden habe, bevor die Sanierung begann. „Unsere Zielgruppe legt Wert auf das Flair eines Hauses, nicht auf eine Topsanierung, und will nichts gratis, aber preiswert mieten“, nennt er Musikschulen oder Literaturvereine als Beispiele. Im Eingangsbereich stellt er sich ein Café im Wiener oder Pariser Stil vor.
Dass Tempus ein Gebot weit unter dem Verkehrswert abgegeben habe, der von Oberbürgermeister Andreas Bausewein jüngst mit 700 000 Euro beziffert wurde, liege daran, dass das Außengelände noch als Bauland ausgewiesen sei. „Wir wollen das aber als Garten erhalten und keine Wohnbebauung machen“, sagt Schallert. Und bietet einen Vertragspassus an, falls die Stadt sich doch zum Verkauf entschließt. Falls Wohnbebauung entstehe, müsse die Differenz zum Verkehrswert nachgezahlt werden. „Nur zur Sicherheit für Stadtrat und Stadtverwaltung“, sagt Schallert denn bauen wolle man ja nicht.
aus: TA/TLZ online vom 18.08.2010
www.erfurt.thueringer-allgemeine.de