Ein Vorstellungs-Gespräch

Das ist ein Vorstellungs-Gespräch zwischen der Ressource Group und Nici Wegener

RG: Hallo, Nici. Kannst Du Dich kurz bekannt machen?
NW: Hallo. Klar. Ich heiße Nici Wegener, bin Jahrgang '80 und wohnhaft in Erfurt, studiere in Weimar an der Bauhaus-Universität Visuelle Kommunikation, wo ich kurz vor meinem Diplomabschluß stehe.

RG: Dein Diplomthema lautet ja: „Ressourcen und Visionen“, wie kam es zu solch einen Leitgedanken?
NW: Puh! Das ist eine lange Geschichte … Also fange ich mal ganz von vorne an: Als Gestalter ist man ja immer auf der Suche nach einem Sujet, etwas, was man eben gestalten kann. Wenn man Visuelle Kommunikation studiert, stehen einem jede Menge Wege offen: von Illustration über Typographie, Werbung, Video, Photographie und Ausstellungsgestaltung – alles Bereiche, in und mit denen man sich ausdrücken kann. Natürlich habe ich da meine Vorlieben, aber ich war immer auf der Suche nach dem, was Visuelle Kommunikation als Ganzes für mich bedeutet. Da bin ich auch manch Irrwege gegangen – doch eines Tages stand ich plötzlich vor diesem Ort …

RG: Vor dem ehemaligen Schauspielhaus in Erfurt?
NW: Genau. Diesen Ort empfand ich – und empfinde ihn heute noch immer – als kleine Oase. Natürlich fallen mir eine Menge andere leerstehende Gebäude und Areale ein, doch die meisten von ihnen sind Fabriken bzw. Fabrikgelände – keine Orte der Kultur, im Gegensatz zum ehemaligen Schauspielhaus. Das ist ein Sujet, dachte ich mir. Für mich steht das Areal als ein Sinnbild der Kultur, welche dort nach und nach zerfällt, sei es durch den natürlichen Prozess oder durch den expandierenden Vandalismus, weil der Ort in Vergessenheit geraten ist. Auf den Leitgedanken „Ressourcen und Visionen“ bin ich durch Zufall gekommen, bei einer Recherche im Internet. Da fand ich heraus, dass das Gebäude ursprünglich „Haus Ressource“ hieß – und schon klingelte es bei mir im Kopf: „Na klar eine Ressource!“ Und um so eine Ressource wieder zum Leben zu bringen, dazu braucht es eben Visionen. So nahm dann alles seinen Lauf …

RG: Du hast Dir Unterstützung gesucht und die Ressource Group gegründet?
NW: Nicht ganz. Die Ressource Group habe ich gegründet, aber die Group als Gruppe ist an sich reine Utopie!

RG: Utopie?
NW: Na ja, Utopie deshalb, weil im Gegensatz zur Vision ich für den Eintritt, also die Erfüllung der Utopie nicht verantwortlich bin und sein kann. Es bleibt demnach offen, ob die Ressource Group jemals eine Gruppe wird.

RG: Uns gibt es also nicht?
NW: Genau. Ein „Uns“ gibt es bisher nicht, trotz allem existiert die Ressource Group – durch mich. Ich brauche den Namen ja auch.

RG: Wieso denn das?
NW: Um Anonymität zu wahren. Nicht nur weil ich keinerlei Befugnis vonseiten der Stadt (dem Besitzer) erfragt habe, sondern weil ich von der Idee der Heinzelmännchen, die des Nachts Ihre Umwelt verändern, begeistert bin. Außerdem habe ich gelernt, dass eher das Kollektiv als die einzelne Person von seinen Mitmenschen respektiert wird.

RG: Du sprachst gerade von „Umwelt verändern“ – was ist das Ziel, die Vision der Ressource Group und was wird verändert?
NW: Ich denke, dass die Ressource Group allein nicht den Gebäudekomplex Schauspielhaus erhalten kann, jedenfalls baulich gesehen. Dennoch, und deswegen sprach ich vorneweg von einer kleinen Oase, stehen dem Gehweg und der Straße drei Schaukästen zugewandt – und so ein Schaukasten ist schlichtweg das beste Medium, um den Ort zurück ins Gedächtnis zu rufen. Erst recht, weil sie in ihrem verwahrlosten Zustand wortwörtlich danach geschrieen haben. Auf die Frage nach Zielen und dem Umgang mit Veränderung, möchte ich auf das Ressource Group Manifest verweisen!

Ressource Group, Januar 2008

Das ehemalige Schauspielhaus und seine Schaukästen im Januar 2007

Manifest

1. Die Ressource Group widersetzt sich der Vorstellung, dass brachliegende Orte der Kultur mutwillig der Zerstörung und dem Verfall überlassen werden müssen.

2. Ziel ist hierbei die Sichtbarmachung des den Ressourcen innewohnenden Potenzials zur Vision, bei gleichzeitiger Nutzung der Ressourcen. Vorhandene räumliche Strukturen werden als öffentliche Kommunikationsplattform genutzt, um den Austausch von Gedanken und Visionen anzubieten und anzuregen.

3. Bei der Ökonomie der Mittel ist darauf zu achten, dass der Materialwert der Mittel deren Nutzwert nicht übersteigt und der Ressource kein wie auch immer gearteter Schaden zugefügt wird.

4. Jegliche substanzielle Veränderung der Ressource darf nur zur Wiederherstellung ihres Urzustands dienen. Die Ausgangssituationen sind zu dokumentieren.

 

 


Die Ressource Group.